Papier: 1.05 (Schutzdauer)
Originalversion
| 1 | Fragen der Schutzdauer |
| 2 | |
| 3 | Bestandsaufnahme: |
| 4 | Mit der Urheberrechtsreform von 1964 wurden die |
| 5 | Schutzfristen auf 70 Jahre nach dem Tode der Urheber |
| 6 | ausgedehnt. |
| 7 | |
| 8 | Hintergrund der Festlegung der Regelschutzdauer des § 64 |
| 9 | UrhG auf 70 Jahre post mortem auctoris ist, dass man davon |
| 10 | ausgeht, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch nahe Angehörige |
| 11 | des Urhebers am Leben sind, welche die Rechte an vorhandenen |
| 12 | Werken wahrnehmen [Fußnote: Wandtke/Bullinger, |
| 13 | Praxiskommentar zum Urheberrecht, 3. Auflage 2009, § 64 Rn. |
| 14 | 1.]. |
| 15 | |
| 16 | Allerdings sind die Fristen der Urheberrechte und verwandten |
| 17 | Schutzrechte mittlerweile EU-weit geregelt, was den |
| 18 | Handlungsspielraum des deutschen Gesetzgebers in Bezug auf |
| 19 | Schutzfristverlängerungen oder –verkürzungen beträchtlich |
| 20 | einengt [Fußnote: |
| 21 | http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX: |
| 22 | 32006L0116:DE:NOT]. |
| 23 | |
| 24 | So ist zu beachten, dass die gegenwärtigen Regelungen zur |
| 25 | Schutzdauer im Urhebergesetz auf der Richtlinie 93/98/EWG |
| 26 | des Rates der EU vom 29. Oktober 1993 zur Harmonisierung der |
| 27 | Schutzdauer des Urheberrechts und bestimmter verwandter |
| 28 | Schutzrechte („Schutzdauer-Richtlinie“) basieren, deren |
| 29 | Vorgaben bindend sind. |
| 30 | |
| 31 | Die EU-Kommission und der Rechtsausschuss des EU-Parlaments |
| 32 | haben sich mit einem Richtlinienvorschlag für eine |
| 33 | Vollharmonisierung der Schutzfristen für |
| 34 | Leistungsschutzrechte auf 95 Jahre eingesetzt (Vorschlag |
| 35 | abrufbar unter |
| 36 | http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:200 |
| 37 | 8:0464:FIN:DE:PDF). |
| 38 | Schutzfristen begründen Verwertungsmonopole auf Zeit. Sie |
| 39 | sind hinsichtlich ihrer Dauer wichtige Instrumente zur |
| 40 | Herbeiführung eines Interessenausgleichs zwischen Interessen |
| 41 | von Urhebern, Verwertern, Nutzern und Allgemeinheit. |
| 42 | |
| 43 | Dies führt dazu, dass zwei, drei Generationen nach Ableben |
| 44 | des Urhebers oder der Urheberin das Werk der Allgemeinheit |
| 45 | immer noch nicht zugänglich gemacht werden kann, es sei |
| 46 | denn, die Rechteinhaber erteilen ihre Zustimmung. |
| 47 | |
| 48 | „Beim hochpersönlichen Urheberrecht lockere sich nach dem |
| 49 | Tod des Urhebers mit Ablauf der Zeit immer mehr der |
| 50 | legitimierende Zusammenhang des Rechts mit dem |
| 51 | ursprünglichen Schöpfer des Werks und zwar auch hinsichtlich |
| 52 | der Verwertungsrechte, die sich nicht im Sinne einer |
| 53 | völligen Verselbständigung aus der Urheberbeziehung |
| 54 | herauslösen ließen. […] Je mehr Generationen |
| 55 | schutzberechtigt würden, umso mehr würden die Beziehungen |
| 56 | zum Urheber verblassen, umso größer werde die Zahl der |
| 57 | Berechtigten und desto mehr verliere die Fortdauer des |
| 58 | Schutzes ihre innere Berechtigung.“ [Fußnote: Fechner, |
| 59 | Frank: Geistiges Eigentum und Verfassung. Schöpferische |
| 60 | Leistungen unter dem Schutz des Grundgesetzes. Tübingen: |
| 61 | Mohr Siebeck 1999, S. 399. ]. Demgegenüber hebt die |
| 62 | Begründung der Anhänger der Immaterialgüterlehre auf die |
| 63 | Interessen der Allgemeinheit ab: „Das Interesse der |
| 64 | Allgemeinheit an einer Nutzung des geschaffenen Geistesgutes |
| 65 | überwiegt dieser Ansicht nach zumindest nach Ablauf einer |
| 66 | gewissen Zeit gegenüber den Interessen des Rechtsinhabers |
| 67 | bzw. seiner Erben an einer wirtschaftlichen Nutzung seines |
| 68 | geistigen Eigentums.[…]“ [Fußnote: Fechner, Frank: Geistiges |
| 69 | Eigentum und Verfassung. Schöpferische Leistungen unter dem |
| 70 | Schutz des Grundgesetzes. Tübingen: Mohr Siebeck 1999, S. |
| 71 | 401.]. |
| 72 | |
| 73 | Diese Situation ist insbesondere für Archive und |
| 74 | Bibliotheken prekär, die sich mit ihrer Arbeit in |
| 75 | zunehmenden Grauzonen wiederfinden, wenn sie Werke |
| 76 | digitalisieren und der Allgemeinheit zugänglich machen |
| 77 | wollen. |
| 78 | |
| 79 | Archive und Bibliotheken stehen bei der Digitalisierung |
| 80 | ihres Archivmaterials vor einer großen Herausforderung: Für |
| 81 | eine öffentliche Zugänglichmachung ihres digitalisierten |
| 82 | Materials brauchen sie die Zustimmung des Urhebers und |
| 83 | müssen dazu aufgrund der teils lange zurückreichenden |
| 84 | Schutzfristen oft in detektivischer Arbeit den |
| 85 | Rechtsnachfolger ermitteln. Wären die Schutzfristen kürzer, |
| 86 | könnte also mehr Material gemeinfrei zur Verfügung gestellt |
| 87 | werden. Bis dahin können Archive und Bibliotheken ihre |
| 88 | Exponate zwar gem. § 53 II Nr. 2 UrhG digitalisieren, aber |
| 89 | ohne die Zustimmung der Urheber oder eine Regelung zu den |
| 90 | verwaisten Werken eben nicht ausstellen [Fußnote: Für eine |
| 91 | ausführliche Darstellung dieser Thematik siehe „Digitale |
| 92 | Sicherung und Nutzbarkeit von Kulturgütern – Umgang mit |
| 93 | verwaisten Werken“]. |
| 94 | |
| 95 | Das geltende Urheberrechtssystem ist außerdem geprägt von |
| 96 | dem Umstand, dass es zwei Schutzinstrumente gibt, die |
| 97 | jeweils für sich durch relativ lange Schutzfristen |
| 98 | gekennzeichnet sind und kumulativ Anwendung finden können. |
| 99 | |
| 100 | Die Schutzdauer für Urheber- und Leistungsschutzrechte ist |
| 101 | unterschiedlich lang und auch differenziert ausgestaltet. So |
| 102 | knüpft die Schutzdauer für das Urheberrecht an den Tod des |
| 103 | Autors an und geht darüber hinaus. Die Schutzdauer der |
| 104 | Leistungsschutzrechte beginnt demgegenüber ab der |
| 105 | Erstaufführung oder dem erstmaligen Erscheinen. Unter |
| 106 | Umständen können so auch noch viele Jahre nach dem Tod des |
| 107 | Autors neue Leistungsschutzrechte begründet werden, die dann |
| 108 | deutlich über die urheberrechtliche Schutzfrist hinaus |
| 109 | gelten. Leistungsschutzrechte können dementsprechend |
| 110 | zusätzliche Einnahmequellen erschließen, andererseits können |
| 111 | sie aber auch die Gemeinfreiheit von Werken zeitlich |
| 112 | hinausschieben. Neben einer Vereinheitlichung der |
| 113 | Schutzdauer werden daher auch grundsätzlichere Anpassungen |
| 114 | diskutiert. So gibt es beispielsweise unterschiedlich |
| 115 | motivierte Überlegungen, Leistungsschutzrechte auszuweiten |
| 116 | und die Schutzfristen zu verlängern. Die Auswirkungen dieser |
| 117 | Überlegungen werden unterschiedlich beurteilt. |
| 118 | |
| 119 | Auf der einen Seite werden durch kürzere Schutzfristen ein |
| 120 | regerer Wettbewerb zwischen Werkvermittlern und ein |
| 121 | breiteres Angebot von Kulturgütern erwartet. [Fußnote: |
| 122 | Eckhard Höffner, Geschichte und Wesen des Urheberrechts, |
| 123 | 2010]. Auf der anderen Seite könnten verkürzte Schutzfristen |
| 124 | das unternehmerische Risiko vergrößern. Dies könnte auch zu |
| 125 | einem Verlust an Vielfalt und Qualität von Kulturgütern |
| 126 | führen. |
| 127 | |
| 128 | Verwerter können sich dann nämlich eben nicht auf einen |
| 129 | ihnen zugesicherten Zeitraum zurückziehen, sondern stehen in |
| 130 | direkter Konkurrenz zu anderen Verwertern. Wettbewerb stellt |
| 131 | einen erhöhten Anreiz zu stetiger Optimierung der |
| 132 | Verwerterleistungen, zu schnellerer und umfassenderer |
| 133 | Nachfragebefriedigung und zu größerem Service gegenüber |
| 134 | Urhebern und Kunden dar. Auch die Funktionsfähigkeit des |
| 135 | Marktes kann damit durch kürzer zu bemessende Fristen |
| 136 | gestärkt werden. |
| 137 | |
| 138 | Alternativer Textvorschlag von DIE LINKE. ab hier |
| 139 | Dass der Urheberrechtsschutz an Immaterialgütern stets |
| 140 | zeitlich befristet ist, begründet sich aus wichtigen |
| 141 | Unterschieden zum Sacheigentum. Einerseits spielt hier die |
| 142 | persönlichkeitsrechtliche Komponente des Rechts eine Rolle: |
| 143 | Nach dem Tod des Urhebers lockert sich mit der Zeit der |
| 144 | legitimierende Zusammenhang des Rechts mit dem |
| 145 | ursprünglichen Schöpfer des Werks. Je mehr Generationen |
| 146 | schutzberechtigt würden, umso mehr würde die Fortdauer des |
| 147 | Schutzes ihre innere Berechtigung verlieren. Doch auch aus |
| 148 | der Interessenabwägung zwischen Eigentumsinteressen und |
| 149 | solchen des Allgemeinwohls gelangt man zu diesem Schluss. |
| 150 | Nach Ablauf einer gewissen Zeit überwiegt das Interesse der |
| 151 | Allgemeineheit an einer freien Nutzung des geschaffenen |
| 152 | Geistesguts gegenüber den Interesssen des Rechteinhabers. |
| 153 | |
| 154 | Das geltende Recht trägt solchen Überlegungen Rechnung. |
| 155 | Allerdings basiert es auf Gegebenheiten der analogen Welt. |
| 156 | Dass mit dem Internet eine leichtere Vervielfältigung und |
| 157 | Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke möglich |
| 158 | geworden ist, die sich faktisch nicht mehr effektiv |
| 159 | kontrollieren lässt, lässt die geltenden Schutzfristen |
| 160 | eindeutig als zu lang erscheinen. |
| 161 | |
| 162 | Das Bundesverfassungsgericht erläutert in seiner |
| 163 | „Schallplatten-Entscheidung“, die Angemessenheit der |
| 164 | urheberrechtlichen Schutzdauer könne „zu verschiedenen |
| 165 | Zeiten je nach Bewertung der widerstreitenden Interessen |
| 166 | verschieden beurteilt werden.“ [Fußnote: Schallplatten, |
| 167 | BVerfGE 31, S. 275 ff., |
| 168 | http://archiv.jura.uni-saarland.de/urheberrecht/entscheidung |
| 169 | en/bverfg/1bvr766-66.html]. Die Eigentumsgarantie der |
| 170 | Verfassung biete weder die Gewähr einer ewigen Schutzdauer, |
| 171 | noch verpflichte sie den Gesetzgeber, die Geltungsdauer auf |
| 172 | einen bestimmten Zeitraum festzulegen. |
| 173 | |
| 174 | Ein späteres Bundesverfassungsgerichtsurteil, das |
| 175 | Vollzugsanstalten-Urteil, hat überdies bestätigt, dass Werke |
| 176 | die Tendenz haben, mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur |
| 177 | Veröffentlichung an privatrechtlicher Bindung einzubüßen: |
| 178 | „Mit der Veröffentlichung steht das geschützte Musikwerk |
| 179 | nicht mehr allein seinem Schöpfer zur Verfügung. Es tritt |
| 180 | vielmehr bestimmungsgemäß in den gesellschaftlichen Raum und |
| 181 | kann damit zu einem eigenständigen, das kulturelle und |
| 182 | geistige Bild der Zeit mitbestimmenden Faktor werden |
| 183 | (BVerfGE 31, 229 [242]; 49, 382 [394]). Es löst sich mit der |
| 184 | Zeit von der privatrechtlichen Verfügbarkeit und wird |
| 185 | geistiges und kulturelles Allgemeingut (BVerfGE 58, 137 [148 |
| 186 | f.]). Dies ist zugleich die innere Rechtfertigung für die |
| 187 | zeitliche Begrenzung des Urheberschutzes durch § 64 Abs. 1 |
| 188 | UrhG.“ [Fußnote: Vollzugsanstalten, BVerfGE 79, S. 29 ff., |
| 189 | http://archiv.jura.uni-saarland.de/urheberrecht/entscheidung |
| 190 | en/bverfg/1bvr743-86.html]. Hieraus folgt, dass |
| 191 | grundsätzlich Schutzrechtsverkürzungen möglich sind, auch |
| 192 | wenn diese auf EU-Ebene durchgesetzt werden müssten |
| 193 | [Fußnote: |
| 194 | http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX: |
| 195 | 32006L0116:DE:NOT]. |
| 196 | Schon die Gesetzesbegründung zur Urheberrechtsreform von |
| 197 | 1965 erwähnt, nur die wenigsten Werke seien nach Ablauf der |
| 198 | Schutzdauer noch von vermögensrechtlichem Interesse |
| 199 | [Fußnote: Begründung des Regierungsentwurfes. BT-Drucksache |
| 200 | IV/270, S. 27-117. Zit. nach: Archiv für Urheber- Film- |
| 201 | Funk- und Theaterrecht UFITA, Bd. 45:2 (1965), S. 240-336. |
| 202 | S. 295.]. Auch Thomas Dreier äußert sich in seinem |
| 203 | Urheberrechtskommentar skeptisch [Fußnote: Dreier, Thomas, |
| 204 | Schulz, Gernot: Urheberrechtsgesetz. München: C.H. Beck 3. |
| 205 | Aufl. 2008. Vor §§ 64 ff., Rdnr. 1.]. Till Kreutzer glaubt, |
| 206 | dass die Schutzdauer in der Regel weit über das hinausgeht, |
| 207 | was zum Anreiz kreativer Leistungen erforderlich wäre. |
| 208 | Vielmehr seien die langen Schutzfristen nachgerade |
| 209 | hinderlich, insbesondere bei technisch-funktionalen Werken, |
| 210 | deren „Lebensdauer“ technologiebedingt viel kürzer sei |
| 211 | [Fußnote: Kreutzer, Till: Den gordischen Knoten |
| 212 | durchschlagen – Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept. |
| 213 | In: Copy. Right. Now! Plädoyers für ein zukunftstaugliches |
| 214 | Urheberrecht. Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung & iRights.info. |
| 215 | Berlin 2010, S. 45-55. S. 54.]. Gerd Hansen weist zudem auf |
| 216 | die Schnelllebigkeit einer modernen Mediengesellschaft hin: |
| 217 | Die allermeisten Werke würden nur für einen relativ kurzen |
| 218 | Zeitraum verwertet [Fußnote: Hansen, Gerd: Warum |
| 219 | Urheberrecht? Die Rechtfertigung des Urheberrechts unter |
| 220 | besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes. Baden-Baden: |
| 221 | Nomos Verlag 2009. S. 369.]. |
| 222 | |
| 223 | Anknüpfend an einen Vorschlag von Lawrence Lessig schlägt |
| 224 | Hansen eine radikale Verkürzung der Schutzfrist auf |
| 225 | beispielsweise fünf Jahre ab Veröffentlichung vor. Danach |
| 226 | soll es eine kostenpflichtige Verlängerungsoption für den |
| 227 | Schutzrechtsinhaber geben [Fußnote: Hansen, Gerd: Warum |
| 228 | Urheberrecht? Die Rechtfertigung des Urheberrechts unter |
| 229 | besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes. Baden-Baden: |
| 230 | Nomos Verlag 2009. S. 370 ff.]. Kreutzer hingegen plädiert |
| 231 | für eine variable Regelung, die an die Konzeption der |
| 232 | Urhebernachfolgevergütung anknüpft [Fußnote: Kreutzer, Till: |
| 233 | Das Modell des deutschen Urheberrechts und |
| 234 | Regelungsalternativen. München: Nomos Verlag 2008. S. 481 |
| 235 | ff.]. Schutzrechte sollen demnach nur eine Zeit lang als |
| 236 | ausschließliche gewährt und hernach als |
| 237 | Beteiligungsansprüche ausgestaltet werden (möglicherweise |
| 238 | nur für gewerbliche Nutzungen), bevor die Nutzung ganz |
| 239 | urheberrechtsfrei wird [Fußnote: Kreutzer, Till: Das Modell |
| 240 | des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen. |
| 241 | München: Nomos Verlag 2008. S. 485.]. |
| 242 | |
| 243 | Schutzfristverlängerungen, wie sie derzeit etwa im Hinblick |
| 244 | auf die Leistungsschutzrechte der Tonträgerunternehmen |
| 245 | diskutiert werden, nutzen den Medienunternehmen, die die |
| 246 | Inhaber dieser Rechte sind, nicht jedoch den Künstlern |
| 247 | selbst. |
| 248 | |
| 249 | Aus den aktuell zu langen Schutzfristen resultiert |
| 250 | insbesondere das Problem der verwaisten Werke, für das |
| 251 | bislang weder auf nationaler noch auf EU-Ebene eine Lösung |
| 252 | gefunden wurde. Da abzusehen ist, dass in der digitalen Welt |
| 253 | Werke noch viel eher verwaisen als in der analogen Welt, |
| 254 | wird dieses Problem sich eher noch verschärfen, wenn nicht |
| 255 | eine grundsätzliche Schutzfristverkürzung in Angriff |
| 256 | genommen wird. |
| 257 | |
| 258 | Grundsätzlich ist auch zu erwägen, über eine Änderung der |
| 259 | Berner Konvention zu einer Registrierungsmöglichkeit zu |
| 260 | gelangen, die zur Voraussetzung für einen vollumfänglichen |
| 261 | Urheberrechtsschutz erklärt werden könnte. Ebenso ist die |
| 262 | Reduktion des Ausschließlichkeitsrechts auf einen |
| 263 | Vergütungsanspruch im digitalen Raum eine Möglichkeit, die |
| 264 | durch die lange Schutzdauer für die Allgemeinheit |
| 265 | erwachsenen Restriktionen stärker einzugrenzen. |
Der Text verglichen mit der Originalversion
| 1 | Fragen der Schutzdauer |
| 2 | |
| 3 | Bestandsaufnahme: |
| 4 | Mit der Urheberrechtsreform von 1964 wurden die |
| 5 | Schutzfristen auf 70 Jahre nach dem Tode der Urheber |
| 6 | ausgedehnt. |
| 7 | |
| 8 | Hintergrund der Festlegung der Regelschutzdauer des § 64 |
| 9 | UrhG auf 70 Jahre post mortem auctoris ist, dass man davon |
| 10 | ausgeht, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch nahe Angehörige |
| 11 | des Urhebers am Leben sind, welche die Rechte an vorhandenen |
| 12 | Werken wahrnehmen [Fußnote: Wandtke/Bullinger, |
| 13 | Praxiskommentar zum Urheberrecht, 3. Auflage 2009, § 64 Rn. |
| 14 | 1.]. |
| 15 | |
| 16 | Allerdings sind die Fristen der Urheberrechte und verwandten |
| 17 | Schutzrechte mittlerweile EU-weit geregelt, was den |
| 18 | Handlungsspielraum des deutschen Gesetzgebers in Bezug auf |
| 19 | Schutzfristverlängerungen oder –verkürzungen beträchtlich |
| 20 | einengt [Fußnote: |
| 21 | http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX: |
| 22 | 32006L0116:DE:NOT]. |
| 23 | |
| 24 | So ist zu beachten, dass die gegenwärtigen Regelungen zur |
| 25 | Schutzdauer im Urhebergesetz auf der Richtlinie 93/98/EWG |
| 26 | des Rates der EU vom 29. Oktober 1993 zur Harmonisierung der |
| 27 | Schutzdauer des Urheberrechts und bestimmter verwandter |
| 28 | Schutzrechte („Schutzdauer-Richtlinie“) basieren, deren |
| 29 | Vorgaben bindend sind. |
| 30 | |
| 31 | Die EU-Kommission und der Rechtsausschuss des EU-Parlaments |
| 32 | haben sich mit einem Richtlinienvorschlag für eine |
| 33 | Vollharmonisierung der Schutzfristen für |
| 34 | Leistungsschutzrechte auf 95 Jahre eingesetzt (Vorschlag |
| 35 | abrufbar unter |
| 36 | http://eurlex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=COM:200 |
| 37 | 8:0464:FIN:DE:PDF). |
| 38 | Schutzfristen begründen Verwertungsmonopole auf Zeit. Sie |
| 39 | sind hinsichtlich ihrer Dauer wichtige Instrumente zur |
| 40 | Herbeiführung eines Interessenausgleichs zwischen Interessen |
| 41 | von Urhebern, Verwertern, Nutzern und Allgemeinheit. |
| 42 | |
| 43 | Dies führt dazu, dass zwei, drei Generationen nach Ableben |
| 44 | des Urhebers oder der Urheberin das Werk der Allgemeinheit |
| 45 | immer noch nicht zugänglich gemacht werden kann, es sei |
| 46 | denn, die Rechteinhaber erteilen ihre Zustimmung. |
| 47 | |
| 48 | „Beim hochpersönlichen Urheberrecht lockere sich nach dem |
| 49 | Tod des Urhebers mit Ablauf der Zeit immer mehr der |
| 50 | legitimierende Zusammenhang des Rechts mit dem |
| 51 | ursprünglichen Schöpfer des Werks und zwar auch hinsichtlich |
| 52 | der Verwertungsrechte, die sich nicht im Sinne einer |
| 53 | völligen Verselbständigung aus der Urheberbeziehung |
| 54 | herauslösen ließen. […] Je mehr Generationen |
| 55 | schutzberechtigt würden, umso mehr würden die Beziehungen |
| 56 | zum Urheber verblassen, umso größer werde die Zahl der |
| 57 | Berechtigten und desto mehr verliere die Fortdauer des |
| 58 | Schutzes ihre innere Berechtigung.“ [Fußnote: Fechner, |
| 59 | Frank: Geistiges Eigentum und Verfassung. Schöpferische |
| 60 | Leistungen unter dem Schutz des Grundgesetzes. Tübingen: |
| 61 | Mohr Siebeck 1999, S. 399. ]. Demgegenüber hebt die |
| 62 | Begründung der Anhänger der Immaterialgüterlehre auf die |
| 63 | Interessen der Allgemeinheit ab: „Das Interesse der |
| 64 | Allgemeinheit an einer Nutzung des geschaffenen Geistesgutes |
| 65 | überwiegt dieser Ansicht nach zumindest nach Ablauf einer |
| 66 | gewissen Zeit gegenüber den Interessen des Rechtsinhabers |
| 67 | bzw. seiner Erben an einer wirtschaftlichen Nutzung seines |
| 68 | geistigen Eigentums.[…]“ [Fußnote: Fechner, Frank: Geistiges |
| 69 | Eigentum und Verfassung. Schöpferische Leistungen unter dem |
| 70 | Schutz des Grundgesetzes. Tübingen: Mohr Siebeck 1999, S. |
| 71 | 401.]. |
| 72 | |
| 73 | Diese Situation ist insbesondere für Archive und |
| 74 | Bibliotheken prekär, die sich mit ihrer Arbeit in |
| 75 | zunehmenden Grauzonen wiederfinden, wenn sie Werke |
| 76 | digitalisieren und der Allgemeinheit zugänglich machen |
| 77 | wollen. |
| 78 | |
| 79 | Archive und Bibliotheken stehen bei der Digitalisierung |
| 80 | ihres Archivmaterials vor einer großen Herausforderung: Für |
| 81 | eine öffentliche Zugänglichmachung ihres digitalisierten |
| 82 | Materials brauchen sie die Zustimmung des Urhebers und |
| 83 | müssen dazu aufgrund der teils lange zurückreichenden |
| 84 | Schutzfristen oft in detektivischer Arbeit den |
| 85 | Rechtsnachfolger ermitteln. Wären die Schutzfristen kürzer, |
| 86 | könnte also mehr Material gemeinfrei zur Verfügung gestellt |
| 87 | werden. Bis dahin können Archive und Bibliotheken ihre |
| 88 | Exponate zwar gem. § 53 II Nr. 2 UrhG digitalisieren, aber |
| 89 | ohne die Zustimmung der Urheber oder eine Regelung zu den |
| 90 | verwaisten Werken eben nicht ausstellen [Fußnote: Für eine |
| 91 | ausführliche Darstellung dieser Thematik siehe „Digitale |
| 92 | Sicherung und Nutzbarkeit von Kulturgütern – Umgang mit |
| 93 | verwaisten Werken“]. |
| 94 | |
| 95 | Das geltende Urheberrechtssystem ist außerdem geprägt von |
| 96 | dem Umstand, dass es zwei Schutzinstrumente gibt, die |
| 97 | jeweils für sich durch relativ lange Schutzfristen |
| 98 | gekennzeichnet sind und kumulativ Anwendung finden können. |
| 99 | |
| 100 | Die Schutzdauer für Urheber- und Leistungsschutzrechte ist |
| 101 | unterschiedlich lang und auch differenziert ausgestaltet. So |
| 102 | knüpft die Schutzdauer für das Urheberrecht an den Tod des |
| 103 | Autors an und geht darüber hinaus. Die Schutzdauer der |
| 104 | Leistungsschutzrechte beginnt demgegenüber ab der |
| 105 | Erstaufführung oder dem erstmaligen Erscheinen. Unter |
| 106 | Umständen können so auch noch viele Jahre nach dem Tod des |
| 107 | Autors neue Leistungsschutzrechte begründet werden, die dann |
| 108 | deutlich über die urheberrechtliche Schutzfrist hinaus |
| 109 | gelten. Leistungsschutzrechte können dementsprechend |
| 110 | zusätzliche Einnahmequellen erschließen, andererseits können |
| 111 | sie aber auch die Gemeinfreiheit von Werken zeitlich |
| 112 | hinausschieben. Neben einer Vereinheitlichung der |
| 113 | Schutzdauer werden daher auch grundsätzlichere Anpassungen |
| 114 | diskutiert. So gibt es beispielsweise unterschiedlich |
| 115 | motivierte Überlegungen, Leistungsschutzrechte auszuweiten |
| 116 | und die Schutzfristen zu verlängern. Die Auswirkungen dieser |
| 117 | Überlegungen werden unterschiedlich beurteilt. |
| 118 | |
| 119 | Auf der einen Seite werden durch kürzere Schutzfristen ein |
| 120 | regerer Wettbewerb zwischen Werkvermittlern und ein |
| 121 | breiteres Angebot von Kulturgütern erwartet. [Fußnote: |
| 122 | Eckhard Höffner, Geschichte und Wesen des Urheberrechts, |
| 123 | 2010]. Auf der anderen Seite könnten verkürzte Schutzfristen |
| 124 | das unternehmerische Risiko vergrößern. Dies könnte auch zu |
| 125 | einem Verlust an Vielfalt und Qualität von Kulturgütern |
| 126 | führen. |
| 127 | |
| 128 | Verwerter können sich dann nämlich eben nicht auf einen |
| 129 | ihnen zugesicherten Zeitraum zurückziehen, sondern stehen in |
| 130 | direkter Konkurrenz zu anderen Verwertern. Wettbewerb stellt |
| 131 | einen erhöhten Anreiz zu stetiger Optimierung der |
| 132 | Verwerterleistungen, zu schnellerer und umfassenderer |
| 133 | Nachfragebefriedigung und zu größerem Service gegenüber |
| 134 | Urhebern und Kunden dar. Auch die Funktionsfähigkeit des |
| 135 | Marktes kann damit durch kürzer zu bemessende Fristen |
| 136 | gestärkt werden. |
| 137 | |
| 138 | Alternativer Textvorschlag von DIE LINKE. ab hier |
| 139 | Dass der Urheberrechtsschutz an Immaterialgütern stets |
| 140 | zeitlich befristet ist, begründet sich aus wichtigen |
| 141 | Unterschieden zum Sacheigentum. Einerseits spielt hier die |
| 142 | persönlichkeitsrechtliche Komponente des Rechts eine Rolle: |
| 143 | Nach dem Tod des Urhebers lockert sich mit der Zeit der |
| 144 | legitimierende Zusammenhang des Rechts mit dem |
| 145 | ursprünglichen Schöpfer des Werks. Je mehr Generationen |
| 146 | schutzberechtigt würden, umso mehr würde die Fortdauer des |
| 147 | Schutzes ihre innere Berechtigung verlieren. Doch auch aus |
| 148 | der Interessenabwägung zwischen Eigentumsinteressen und |
| 149 | solchen des Allgemeinwohls gelangt man zu diesem Schluss. |
| 150 | Nach Ablauf einer gewissen Zeit überwiegt das Interesse der |
| 151 | Allgemeineheit an einer freien Nutzung des geschaffenen |
| 152 | Geistesguts gegenüber den Interesssen des Rechteinhabers. |
| 153 | |
| 154 | Das geltende Recht trägt solchen Überlegungen Rechnung. |
| 155 | Allerdings basiert es auf Gegebenheiten der analogen Welt. |
| 156 | Dass mit dem Internet eine leichtere Vervielfältigung und |
| 157 | Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke möglich |
| 158 | geworden ist, die sich faktisch nicht mehr effektiv |
| 159 | kontrollieren lässt, lässt die geltenden Schutzfristen |
| 160 | eindeutig als zu lang erscheinen. |
| 161 | |
| 162 | Das Bundesverfassungsgericht erläutert in seiner |
| 163 | „Schallplatten-Entscheidung“, die Angemessenheit der |
| 164 | urheberrechtlichen Schutzdauer könne „zu verschiedenen |
| 165 | Zeiten je nach Bewertung der widerstreitenden Interessen |
| 166 | verschieden beurteilt werden.“ [Fußnote: Schallplatten, |
| 167 | BVerfGE 31, S. 275 ff., |
| 168 | http://archiv.jura.uni-saarland.de/urheberrecht/entscheidung |
| 169 | en/bverfg/1bvr766-66.html]. Die Eigentumsgarantie der |
| 170 | Verfassung biete weder die Gewähr einer ewigen Schutzdauer, |
| 171 | noch verpflichte sie den Gesetzgeber, die Geltungsdauer auf |
| 172 | einen bestimmten Zeitraum festzulegen. |
| 173 | |
| 174 | Ein späteres Bundesverfassungsgerichtsurteil, das |
| 175 | Vollzugsanstalten-Urteil, hat überdies bestätigt, dass Werke |
| 176 | die Tendenz haben, mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur |
| 177 | Veröffentlichung an privatrechtlicher Bindung einzubüßen: |
| 178 | „Mit der Veröffentlichung steht das geschützte Musikwerk |
| 179 | nicht mehr allein seinem Schöpfer zur Verfügung. Es tritt |
| 180 | vielmehr bestimmungsgemäß in den gesellschaftlichen Raum und |
| 181 | kann damit zu einem eigenständigen, das kulturelle und |
| 182 | geistige Bild der Zeit mitbestimmenden Faktor werden |
| 183 | (BVerfGE 31, 229 [242]; 49, 382 [394]). Es löst sich mit der |
| 184 | Zeit von der privatrechtlichen Verfügbarkeit und wird |
| 185 | geistiges und kulturelles Allgemeingut (BVerfGE 58, 137 [148 |
| 186 | f.]). Dies ist zugleich die innere Rechtfertigung für die |
| 187 | zeitliche Begrenzung des Urheberschutzes durch § 64 Abs. 1 |
| 188 | UrhG.“ [Fußnote: Vollzugsanstalten, BVerfGE 79, S. 29 ff., |
| 189 | http://archiv.jura.uni-saarland.de/urheberrecht/entscheidung |
| 190 | en/bverfg/1bvr743-86.html]. Hieraus folgt, dass |
| 191 | grundsätzlich Schutzrechtsverkürzungen möglich sind, auch |
| 192 | wenn diese auf EU-Ebene durchgesetzt werden müssten |
| 193 | [Fußnote: |
| 194 | http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX: |
| 195 | 32006L0116:DE:NOT]. |
| 196 | Schon die Gesetzesbegründung zur Urheberrechtsreform von |
| 197 | 1965 erwähnt, nur die wenigsten Werke seien nach Ablauf der |
| 198 | Schutzdauer noch von vermögensrechtlichem Interesse |
| 199 | [Fußnote: Begründung des Regierungsentwurfes. BT-Drucksache |
| 200 | IV/270, S. 27-117. Zit. nach: Archiv für Urheber- Film- |
| 201 | Funk- und Theaterrecht UFITA, Bd. 45:2 (1965), S. 240-336. |
| 202 | S. 295.]. Auch Thomas Dreier äußert sich in seinem |
| 203 | Urheberrechtskommentar skeptisch [Fußnote: Dreier, Thomas, |
| 204 | Schulz, Gernot: Urheberrechtsgesetz. München: C.H. Beck 3. |
| 205 | Aufl. 2008. Vor §§ 64 ff., Rdnr. 1.]. Till Kreutzer glaubt, |
| 206 | dass die Schutzdauer in der Regel weit über das hinausgeht, |
| 207 | was zum Anreiz kreativer Leistungen erforderlich wäre. |
| 208 | Vielmehr seien die langen Schutzfristen nachgerade |
| 209 | hinderlich, insbesondere bei technisch-funktionalen Werken, |
| 210 | deren „Lebensdauer“ technologiebedingt viel kürzer sei |
| 211 | [Fußnote: Kreutzer, Till: Den gordischen Knoten |
| 212 | durchschlagen – Ideen für ein neues Urheberrechtskonzept. |
| 213 | In: Copy. Right. Now! Plädoyers für ein zukunftstaugliches |
| 214 | Urheberrecht. Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung & iRights.info. |
| 215 | Berlin 2010, S. 45-55. S. 54.]. Gerd Hansen weist zudem auf |
| 216 | die Schnelllebigkeit einer modernen Mediengesellschaft hin: |
| 217 | Die allermeisten Werke würden nur für einen relativ kurzen |
| 218 | Zeitraum verwertet [Fußnote: Hansen, Gerd: Warum |
| 219 | Urheberrecht? Die Rechtfertigung des Urheberrechts unter |
| 220 | besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes. Baden-Baden: |
| 221 | Nomos Verlag 2009. S. 369.]. |
| 222 | |
| 223 | Anknüpfend an einen Vorschlag von Lawrence Lessig schlägt |
| 224 | Hansen eine radikale Verkürzung der Schutzfrist auf |
| 225 | beispielsweise fünf Jahre ab Veröffentlichung vor. Danach |
| 226 | soll es eine kostenpflichtige Verlängerungsoption für den |
| 227 | Schutzrechtsinhaber geben [Fußnote: Hansen, Gerd: Warum |
| 228 | Urheberrecht? Die Rechtfertigung des Urheberrechts unter |
| 229 | besonderer Berücksichtigung des Nutzerschutzes. Baden-Baden: |
| 230 | Nomos Verlag 2009. S. 370 ff.]. Kreutzer hingegen plädiert |
| 231 | für eine variable Regelung, die an die Konzeption der |
| 232 | Urhebernachfolgevergütung anknüpft [Fußnote: Kreutzer, Till: |
| 233 | Das Modell des deutschen Urheberrechts und |
| 234 | Regelungsalternativen. München: Nomos Verlag 2008. S. 481 |
| 235 | ff.]. Schutzrechte sollen demnach nur eine Zeit lang als |
| 236 | ausschließliche gewährt und hernach als |
| 237 | Beteiligungsansprüche ausgestaltet werden (möglicherweise |
| 238 | nur für gewerbliche Nutzungen), bevor die Nutzung ganz |
| 239 | urheberrechtsfrei wird [Fußnote: Kreutzer, Till: Das Modell |
| 240 | des deutschen Urheberrechts und Regelungsalternativen. |
| 241 | München: Nomos Verlag 2008. S. 485.]. |
| 242 | |
| 243 | Schutzfristverlängerungen, wie sie derzeit etwa im Hinblick |
| 244 | auf die Leistungsschutzrechte der Tonträgerunternehmen |
| 245 | diskutiert werden, nutzen den Medienunternehmen, die die |
| 246 | Inhaber dieser Rechte sind, nicht jedoch den Künstlern |
| 247 | selbst. |
| 248 | |
| 249 | Aus den aktuell zu langen Schutzfristen resultiert |
| 250 | insbesondere das Problem der verwaisten Werke, für das |
| 251 | bislang weder auf nationaler noch auf EU-Ebene eine Lösung |
| 252 | gefunden wurde. Da abzusehen ist, dass in der digitalen Welt |
| 253 | Werke noch viel eher verwaisen als in der analogen Welt, |
| 254 | wird dieses Problem sich eher noch verschärfen, wenn nicht |
| 255 | eine grundsätzliche Schutzfristverkürzung in Angriff |
| 256 | genommen wird. |
| 257 | |
| 258 | Grundsätzlich ist auch zu erwägen, über eine Änderung der |
| 259 | Berner Konvention zu einer Registrierungsmöglichkeit zu |
| 260 | gelangen, die zur Voraussetzung für einen vollumfänglichen |
| 261 | Urheberrechtsschutz erklärt werden könnte. Ebenso ist die |
| 262 | Reduktion des Ausschließlichkeitsrechts auf einen |
| 263 | Vergütungsanspruch im digitalen Raum eine Möglichkeit, die |
| 264 | durch die lange Schutzdauer für die Allgemeinheit |
| 265 | erwachsenen Restriktionen stärker einzugrenzen. |
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